Lachshow mit Sparschwein

Aus dem Kulturmagazin Choices

Kölns Kleinkunstszene ist seit genau fünf Jahren um eine Attraktion reicher. Mit „Kunst gegen Bares“ etablierte Gerd Buurmann am 1. Januar 2007 im Keller des Eifelturm-Kabaretts, heute Metropol, eine wöchentliche Offene-Bühne-Show mit direkter Zuschauerbeteiligung – beim Zahlen. Jede Künstlerin und jeder Künstler, so die Idee, erhält ein Sparschwein, in das das Publikum nach der Vorführung Geld einwirft. Bemessungsgrundlagen sind Geschmack und Vermögen der einzelnen Zuschauer. Dass der Erfolg der Show nicht allein diesem Gedanken geschuldet ist, wird jedem klar, der einmal dabei war. Buurmann und seine mittlerweile zum Szenestar aufgestiegene Co-Zeremonienmeisterin Hildegart Scholten ziehen außergewöhnliche Talente an und sind Menschen mit unbändiger Lust am Theater, klaren Standpunkten und Persönlichkeit. Immer wieder bezog Buurmann in den letzten Jahren unmissverständlich Stellung zu unsäglichen antisemitischen Statements in diversen Medien und trug zur Debattenkultur in dieser Stadt womöglich mehr bei als der nur noch um PR und Anzeigengelder buhlende Zeitungsbetrieb.

Vor allem glaubt Buurmann an die Kleinkunst als unbestechliches Mittel gegen die Vorhersehbarkeit der Subventionskultur. Denn obwohl „Kunst gegen Bares“ auf die direkte Bezahlung durchs Publikum setzt, ist die Show keineswegs zur flachen Unterhaltungsmaschine verkommen. Im Gegenteil, so Buurmann. Gerade auch das Sperrige und Eckige werde mit Begeisterung goutiert und entlohnt. Mittlerweile hat Buurmanns Erfindung fast ein Dutzend Ableger in anderen Städten bekommen. Die Jubiläumsausgabe der wöchentlichen Stegreif-Show mit verschiedenen Künstlern geht am Montag, 2. Januar ab 20 Uhr im ARTheater über die Bühne, am 6.2. wird ebendort dann das „200. Kapitalistenschwein“ gekürt – also der Künstler, der mit seiner Vorführung am meisten abgreifen konnte.

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Kein Schubladentyp

Interview mit Daniela Abels von der Kölner Illustrierten

Seit 2008 leitet Gerd Buurmann das Severins-Burg-Theater in der Südstadt. Seitdem hat sich die kleine Bühne zu einem der kreativsten, Spielorte Kölns gemausert. Das Programm reicht vom Klassiker bis hin zur Montagsreihe „KGB – Kunst gegen Bares“. Dann darf jeder auf die Bühne, der möchte und der Zuschauer bestimmt, was ihm die einzelnen Darbietungen wert sind – jedes Mal ein einmaliges Erlebnis. Genauso wenig wie das Programm passt auch Buurmann selber in eine Schublade.

Du stammst aus Norddeutschland, hast einige Jahre in Amerika verbracht – eigentlich hätte es dich überallhin verschlagen können. Was gab letztlich den Ausschlag für Köln?

Ich habe meine Kindheit in einem winzigen Dorf in der norddeutschen Provinz verbracht. Die nächste Stadt, die über ein eigenes Schauspielhaus verfügte, war meilenweit entfernt. Mein allererster Kontakt mit dem Theater kam daher über das Fernsehen zustande – genauer gesagt durch die Muppet Show. Diese Form des Theaters hat mich von Anfang an unglaublich fasziniert und geprägt. Nach Amerika bin ich gegangen, weil ich den amerikanischen Umgang mit dieser Kultur erleben wollte. Nach Köln verschlug es mich schließlich, weil die Stadt in den Neunzigern für einen gewissen anarchischen Umgang mit dem Medium Theater stand. Beispielhaft dafür stehen die Inszenierungen von Walter Bockmayer in der Filmdose, da wurde wirklich einmal versucht, eine neue Form des Schauspiels zu kreieren. In diesem Umfeld hatte sich eine Szene gebildet, zu der etwa Ralph Morgenstern, Dagmar Stievermann, Dirk Bach, Hella von Sinnen und Georg Schnitzler gehörten. Das waren damals große Namen. Dass sie alle in Köln versammelt waren, hieß für mich, dass hier gerade etwas wichtiges passierte, an dem ich teilhaben wollte. Bereits als ich 1998 hierher zog, hatte ich das Ziel, dieser Ära meine ganz eigene Note hinzuzufügen. Das versuche ich jetzt mit dem Sererins-Burg-Theater. Mein Ziel ist es, die Kluft zwischen ernster und unterhaltender Kultur zu schließen.

Gerade in den letzten Monaten las man in der Presse immer wieder von Theatern, die durch mangelnde öffentliche Förderung in ihrer Existenz bedroht sind. Dies gilt für Köln und für andere Städte. Du hast dich in dieser schwierigen Situation bewusst dafür entschieden, ein eigenes, nicht gefördertes, Theater zu leiten. Was ist deine Motivation?

Die Hauptmotivation ist natürlich meine absolute Liebe zum Theater. Das ist unabdingbar für jeden, der eine solche Entscheidung trifft. Natürlich ist der finanzielle Aspekt immer auch ein Problem. Viele Menschen zahlen heute klaglos 80 Euro für eine Handwerkerstunde, den Theaterabend hätten sie aber am liebsten für acht Euro. Da hat man es als nicht subventioniertes Haus schon schwer; dennoch sage ich: Es ist möglich. Ich sehe das so: Subventionen sind Gelder von Menschen, die nicht ins Theater gehen. Wir nicht subventionierten Häuser haben hingegen nur das Geld derer, die ins Theater kommen. Darauf beruht auch das von mir entwickelte Konzept KGB – Kunst gegen Bares. Da bestimmt nämlich jeder Zuschauer ganz alleine und individuell für sich, was ihm die einzelnen Darbietungen wert waren. Bis wir da eine angemessene Quote erzielt haben, dauert es allerdings noch ein bisschen. Der Kölner, das musste ich leider feststellen, geht da noch sehr sparsam mit seinem Geld um. In Hamburg und Berlin, wo das Konzept mittlerweile auch erfolgreich läuft, war das Publikum von Anfang an bedeutend großzügiger.

Du hast es gerade selbst erwähnt: Dein Showkonzept „Kunst gegen Bares“ ist sehr erfolgreich und läuft mittlerweile sogar in Hamburg und Berlin. Hättest du selber damit gerechnet, dass das Konzept jemals so erfolgreich wird?

Am Anfang waren wir einfach auf der Suche nach einer Idee für den Montag, den schwierigsten Theatertag. Daraus entwickelte sich dieses Konzept, mittels dessen man das Publikum für den Wert der Kunst sensibilisieren kann. Andererseits bekommen dadurch auch die Künstler einmal die Chance, ihre Darbietungen anders bewerten zu lassen als durch reinen Applaus. Dass das Konzept sich so gut entwickeln würde, hätte ich anfangs nicht erwartet. Wir haben ja nicht das Rad neu erfunden, sondern allenfalls Vorhandenes neu zusammengefügt. Warum es so gut funktioniert, ist mir allerdings erst klar geworden, als ich bei der Show in Hamburg einmal selber aufgetreten bin: Wenn der Zuschauer merkt, hier geht es um mich, hier wird um meine Gunst gespielt, fühlt er sich auf einmal ganz anders ernst genommen. Anders gesagt: Der Zuschauer ist der Chef – und ein Chef benimmt sich immer etwas souveräner als ein Angestellter.

Einige Künstler, die durch KGB zum ersten Mal in dein Theater kamen, wirken mittlerweile in anderen Produktionen des Theaters mit. Wie hat sich das im Einzelnen ergeben?

Das hat sich einfach so ergeben. Martin Cordemann alias PeeWee etwa gehörte zu den KGB-Künstlern der ersten Stunde. Andere habe ich nach und nach kennengelernt. Die Show funktioniert ja nach dem Prinzip „Ich öffne montags mein Theater und warte ab, was passiert.“ Dabei trifft man natürlich auf Leute, die man einfach gut findet und mit denen man zusammenarbeiten möchte. Cris Revon etwa – der war ein regelrechtes Geschenk. Oder Manuel Wolff, der mittlerweile die ui-Show moderiert. Oder auch Hildegart Scholten, meine heutige Co-Moderatorin bei KGB. Sie hat Joseph Vicaire abgelöst, der diesen Job seinerzeit so gut gemacht hat, dass er bereits nach wenigen Monaten abgeworben wurde. Mittlerweile ist er fest bei Schmidt’s Tivoli engagiert und gilt als kommender Stern am Hamburger Theaterhimmel!

Viele „richtige“, sprich ausgebildete Schauspieler legen gegenüber Laien einen gewissen Standesdünkel an den Tag. Du hingegen arbeitest häufig mit ihnen. Hat sich das eher zufällig ergeben, oder reizt dich vielleicht gerade dieses Unperfekte, nicht professionelle?

Eigentlich lebt das Theater doch davon, dass Perfektion gesucht, aber nicht immer gefunden wird. Im Gegensatz zu einem Fernsehfilm ist alles echt, Fehler können nicht einfach weggeschnitten werden. Dabei sind es gerade diese kleinen Störungen, die das Theater spannend machen. Ich suche die Störung, indem ich versuche, sie zu vermeiden. Ein wirklich guter, professioneller Schauspieler zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass er diese Mechanismen kennt. Wenn ein Schauspieler öffentlich gegen Laien agitiert, zeigt er damit eigentlich nur, dass er selber keine gute Ausbildung genossen hat. Schauspiel hat viel mit Handwerk zu tun, aber nicht nur. Katherine Hepburn hat einmal gesagt: „Seien wir ehrlich – Schauspiel ist nicht unbedingt eine große Kunst. Shirley Temple konnte es mit drei Jahren.“ Dem möchte ich noch hinzufügen: Lassie konnte es ebenfalls! Andererseits muss ich auch sagen: Ab einem gewissen Level gestehe ich Schauspielern schon eine gewisse Arroganz zu.“

Wie wird es nach der Sommerpause weitergehen? Gibt es schon spruchreife Pläne für neue Shows?

Das für mich im Augenblick interessanteste Projekt sind die „Ritter des Severins-Burg-Theaters“. Nach einem erfolgreichen Probelauf steht es in der neuen Saison zweimal monatlich auf dem Spielplan. Meine Co-Moderatoren werden die bereits erwähnten Martin Cordemann und Cris Revon sein. Das Prinzip ist ähnlich wie bei KGB, allerdings mit wechselnden geladenen Gästen. Höhepunkt am Ende jeder Show wird der Ritterschlag sein.
Eine weitere Idee ist, dass wir uns im Januar einmal mit „La Traviata“ am Operngenre versuchen wollen. Mal sehen, ob wir das mit unseren Mitteln hinkriegen. Wir können uns ja z.B. kein Orchester leisten, sondern haben nur ein Klavier und allenfalls noch ein Begleitinstrument zur Verfügung. Klingt irgendwie größenwahnsinnig, aber ich bin mir sicher – wir machen das!

Als du kürzlich die gewaltverherrlichenden Texte eines Rappers öffentlich kritisiert hast, reagierten dessen Anhänger mit Morddrohungen. Das waren aber nicht die einzigen Fälle, in denen du öffentlich Stellung bezogen hast und auch mal jemandem auf die Füße getreten bist. Wenn du so etwas machst, hat das natürlich eine andere öffentliche Wirkung, als wenn irgendein „durchschnittlicher Angestellter“ einen Leserbrief an die Tageszeitung schreibt. Empfindest du das eher als Last oder als Vorteil?

Die Sache mit dem Rapper hat sich glücklicherweise mittlerweile geklärt. Bei den anderen Fällen, auf die du anspielst, ging es einmal um die Verleihung einen Kulturpreis. Ein Jurymitglied hatte kurz zuvor in einem öffentlichen Brief geäußert, er halte Kurt Westergaard, Zeichner der Mohammed-Karikaturen, für mindestens ebenso gefährlich wie seine potenziellen Mörder. Dass so jemand kurz darauf über die Vergabe eines Kulturpreises bestimmt, halte ich für einen Skandal, und das habe ich auch deutlich gemacht.
Ein weiterer Fall ist die Klagemauer vor dem Dom. Was dort dargestellt wird, hat für mich – und viele andere, die ebenfalls geklagt haben – mit freier Meinungsäußerung nichts mehr zu tun. Dass die Klagen letztlich abgeschmettert wurden, kann ich nicht nachvollziehen.
Um auf die Frage zurückzukommen: Natürlich versuche ich da, zwischen dem Künstler Gerd Buurmann und dem politisch aktiven Gerd Buurmann zu unterscheiden. Sicherlich hilft mir meine Popularität, die Menschen zu erreichen. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Andererseits kann ich mich im Falle einer Bedrohung auch nicht verstecken. Jeder, der einen Blick ins Programm wirft, weiß, wann ich im Theater bin. Das ist die Kehrseite.

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Von der Provinzbühne zum Kulttheater

Porträt des Schauspielers und Regisseurs Gerd Buurmann
von Daniela Mayer

Gerd Buurmann ist Schauspieler, Autor, Regisseur, Entertainer, Sänger und bei Bedarf auch Barmann. Alles im Severins-Burg-Theater in Köln, in dem er mit 33 Jahren künstlerischer Leiter ist. In den letzten zwei Jahren hat er die kleine Bühne in einen angesagten Kulturort verwandelt.

Gerd Buurmann ist eine Erscheinung. Von der ersten Minute an. Vor schwarzer Kulisse glänzt seine Glatze weiß im Scheinwerferlicht, seine zischelnde Stimme füllt auch ohne Mikrofon den Raum:

„Meine Damen und Herren, willkommen zu Kunst gegen Bares.“ (Applaus)

Comedians, Poetry Slammer und Künstler aller Art stellen sich hier dem Publikum. Das kürt am Ende den Sieger, durch das Spenden von barem Geld an den Besten. Aber eigentlich ist es Gerd Buurmanns Abend. Nicht nur, weil er die Reihe konzipiert und erfunden hat. Weil er mit seinen 33 Jahren zugleich künstlerischer Leiter, Regisseur, Schauspieler, Autor und bei Bedarf auch Barmann des Severins-Burg-Theaters ist. Wo Gerd Buurmann steht und spricht, er dominiert.

Auf der Bühne schwitzt und tropft Gerd Buurmann. Seine Moderationen sind mitunter zynisch, laut und harsch. Er verausgabt sich und fasziniert. Nicht durch Sympathie, sondern durch eine schon fast beängstigende Präsenz. Sein rundes Gesicht, die Glatze, die großen, alles durchdringenden Augen erschrecken. Lassen ihn bei seinen Auftritten aussehen wie ein Mensch am Rande des Wahnsinns.

Der Shylock aus dem Kaufmann von Venedig. Kurz und spontan gespielt zwischen zwei Auftritten von Kleinkünstlern. Sich in den Vordergrund spielen, da kennt Gerd Buurmann keine Scheu. Er weiß, was er kann. Schwere Rollen wie die des Shylocks sind ihm die Liebsten:

„Je schwieriger ein Charakter zu fassen ist, desto so mehr fasziniert mich eigentlich der Charakter. Und wenn ich es schaffe, dass Leute einen Menschen zwar nicht verstanden haben, aber dennoch nicht nur Toleranz, sondern auch Respekt entgegen bringen, dann hab ich, glaube ich, schon eine Menge geschafft.“

Das erzählt er draußen vor der Tür, während er ziemlich süchtig an seiner Pausen-Zigarette zieht, zwischen lauten Gästen und vorbeifahrenden Straßenbahnen. Eigentlich kein Ort für ein ruhiges Gespräch, aber das sucht Gerd Buurmann auch nicht. Er bleibt beim Sie und auf Distanz und führt ebenso so präzise und schnell, wie durch den Abend, auch durch sein Leben. Angefangen bei seiner Familie und Kindheit im Emsland.

„Ich komme nicht aus einer künstlerischen Familie, sondern eher aus einer klassischen Arbeiterfamilie. Mutter war Näherin, Vater war Seemann, und da war die künstlerische Laufbahn nicht unbedingt vorgezeichnet.“

Doch das Talent für die Bühne war da. Früh entdeckt in der Schule.

„Den ersten Auftritt hatte ich in der achten Klasse, wo der wunderbare Lehrer auf die Idee kam: Entweder der Junge ist wirklich hyperaktiv und durchgedreht, oder aber er hat einfach Kreativität. Und hat dann mit mir eine kleine Theatergruppe gegründet.“

Nach dem Abitur landete er schließlich als Au Pair in den USA, wohin er in den letzten Jahren immer wieder zurückkehrte, auch um dort Schauspiel zu studieren.

„Dann hab ich lange überlegt ob ich Amerikaner werden sollte, aber dann hab ich gemerkt, dass Amerika nichts weniger braucht, als einen weiteren Schauspieler mit deutschem Akzent.“

So kam er vor rund elf Jahren nach Köln, um dort als Schauspieler zu leben. Seither hat der 33-Jährige in Köln kulturell viel bewegt. Durch eigene Literatur und Theaterreihen zum Beispiel. Sichtlich stolz erzählt er:

„Dass ich mir die Orte gesucht habe, wo ich Theater machen konnte, weil es ist ja nicht so, dass die Bühnen gesagt haben, wir sind also so hemmungslos leer, wir brauchen jetzt unbedingt den kleinen Jungen aus dem Emsland, der hier die Kultur rettet . Und deswegen habe ich einfach meine eigenen Bühnen aufgemacht. Und irgendwann kam halt ein Theaterbesitzer und hat gesagt, ich hätte da ein Theater und ich wäre froh, wenn du es wieder beleben könntest.“

Das hat er getan. In den letzten zwei Jahren ist es ihm gelungen, das Severins-Burg-Theater wieder in einen angesagten Kulturort zu verwandeln. Durch seine eigenen Theaterstücke und Auftritte, durch politische Diskussionsrunden und originelle Literaturabende. Und nicht zuletzt durch die Reihe „Kunst gegen Bares“, mit der er schon erfolgreich auf Tour durch ganz Deutschland war. Freie Zeit bleibt ihm da kaum.

„Das Theater hat sieben Tage die Woche auf und die meiste Zeit bin ich auch hier, das Theater ist quasi mein zweites zu Hause. Aber ich hab ja das Glück, dass das, was ich liebe und das, wofür ich lebe, auch mein Beruf ist.“

Ein Theatermensch, durch und durch. Als solchen bezeichnet sich Gerd Buurmann. Andere sehen in ihm ein großes Talent, in Regie, Organisation und Schauspiel, mit dem Zeug dazu, auch an großen Häusern viel zu bewegen. Nur wer Gerd Buurmann tatsächlich ist, jenseits von Bühne und Mikrofon, das weiß er gut zu verbergen. Zwar erzählt er noch, dass er privat mit einer Doktorin der Philosophie verheiratet ist. Doch als Privatperson bleibt er hinter der Fassade des Theatermenschen nicht greifbar.

„Ich verstehe mich so ein bisschen als Kermit der Frosch, der einfach Freude daran hat, die verschiedensten Formen der Kunst zu sehen und mit etwas Anarchie, Freude und Liebe zur Kunst, die Kunst zu zelebrieren.“

Mit diesen Worten eilt Gerd Buurmann zurück auf die Bühne. Etwas ratlos bleibt man zurück und erinnert sich an seine eigenen Worte über Shylock, die gut auch auf ihn selbst passen.

Ein schwer zu fassender, durchaus schwieriger Charakter, der Respekt einflößt.

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Kermits Kapitalismus

von Barbro Schuchardt (erstmals erschienen am 13. Januar 2012 in der Kölnischen Rundschau)

Heute Macbeth, morgen Jago, übermorgen Kermit, der Frosch. Gerd Buurmann (1976 im Emsland geboren) ist einer der vielseitigsten Künstler in Köln. Er hat als Schauspieler, Regisseur und Autor Erfolg, leitete von 2008 bis 2011 das Severins-Burg-Theater (heute Metropol Theater). Besonders stolz aber ist er auf die von ihm kreierte und moderierte Show “Kunst gegen Bares.”

Dabei werden die auftretenden Künstler vom Publikum nach Gefallen entlohnt. “Ich bin seit frühester Kindheit von der Muppet-Show theatralisch beeinflußt. “Kunst gegen Bares” ist meine ganz persönliche Muppet-Show mit lebenden Menschen, bei der ich ein bisschen wie Kermit fungiere”, erklärt Buurmann. In diesem Monat feiert seine Offene-Bühne-Show ihr fünfjähriges Jubiläum – ein Erfolgsmodel, das er sich nicht träumen ließ, als er es im Januar 2007 mit dem Schauspieler Tobias Weber aus der Taufe hob. Dem folgte Joseph Vicaire, und seit 2008 ist Hildegart Scholten die “rheinische Marlene Jaschke”, seine Ko-Moderatorin.

Mittlerweile wird das Konzept in elf deutschen Städten kopiert. “In Heidelberg und Lübeck ist das Publikum am spendabelsten, da gibt es schon mal 200 Euro für den Sieger. In Köln lag die Spitze bei 110 Euro”, sagt Buurmann, der hier augenzwinkernd den “anständigen Kapitalismus” verwirklicht sieht. “Wir wollen beweisen, dass Kunst auch ohne Subventionen bestehen kann. Bei uns zahlen nur die Zuschauer, die auch wirklich ins Theater gehen. Jeder zeigt unmittelbar, was ihm die Sache wert ist.”

Gespielt wird inzwischen im Ehrenfelder Artheater und zwar ohne Anmeldung. Jeder kann vortragen, was er möchte, nicht nur Schauspieler, Autoren, Musiker und Kabarettisten – “wir hatten auch Bauchredner, Zauberer und Menschen, die einfach aus ihrem Leben erzählen”, sagt Buurmann. Der Kabarettist Martin Cordemann, zuständig für die Kasse (jeder zahlt vier Euro Eintritt für das Team), sortiert die Auftrittswilligen vor Beginn ein bisschen vor – “damit wir nicht vier Gitarren an einem Abend haben.”

Aus dem Publikum geraus werden sie auf die Bühne gebeten. Am Schluss bekommt jeder ein Sparschwein, in das die Zuschauer ihren Obolus werfen. Wer am meisten eingenommen hat, wird zum “Kapitalistenschwein des Abends” ausgerufen. Ganz wichtig ist die Mitmach-Begeisterung der Besucher. (…) Vor Weihnachten spendierte eine Zuschauerin, die bei einem Catering-Unternehmen arbeitet, ein komplettes Enten-Büffet. So viel Spaß Gerd Buurmann auch an seiner Rolle als “menschlicher Kermit” hat: Jetzt ist wieder Schauspielkunst für ihn angesagt. Heute hat er im Metropol-Theater Premiere als Jago in Burkhard Schmiesters Inszenierung von Shakespeares “Othello”; morgen spielt er dort in der Wiederaufnahme von “Macbeth” die Titelrolle. Die Stücke gibt es am 28. Januar und 11. Februar auch im Doppelpack (20 und 22 Uhr).

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